History: Tux in die Bundesverwaltung
Eine Entwicklungsgeschichte der Diskussion über die Einführung von Freier Software im Deutschen Bundestag. (Stand: 07.02.02)
Wie so viele öffentliche Debatten um Themen der Inforamtionstechnologie, nahm auch die Diskussion über die Einführung von Linux/Freie Software im Deutschen Bundestag seinen Anfang im Newsticker von www.heise.de.
Dort wurde am 1. Juni 2001 eine Nachricht veröffentlicht, die die Bildung einer Kommission in der Bundestagsverwaltung ankündigte. Diese von Uwe Küster (SPD) geleitete Arbeitsgruppe des Ältestenrates des Deutschen Bundestages wurde eingesetzt, um ein neues Betriebssystem für den Bundestag zu suchen.
Die Entscheidung soll zwischen Linux und Windows 2000 fallen. Auf den rund 5000 Arbeitsplatzrechnern von Abgeordneten, Fraktionsmitgliedern und der Verwaltung ist derzeit noch Windows NT installiert. Der Support für Windows NT läuft jedoch bald aus, so dass eine Migration unumgänglich wird.
Vor diesem Hintergrund, hat die Auseinandersetzung um eine neues Betriebssystem deutlich an Fahrt zugenommen.
Im Oktober meldete sich dann der Medienexperte der SPD Bundestagsfraktion, Jörg Tauss, zu Wort, der den Bundestag am liebsten zur "Microsoftfreien Zone" erklären würde. Die emotionale Polarisierung erreichte somit ihren ersten Höhepunkt. Das amerikanische Unternehmen reagierte prompt mit einer Ausweitung der Lobbyarbeit gegen Linux.
Diese Lagerbildung hat nicht jedem Bundestagsabgeordneten gefallen. Tauss' Fraktionskollege Kelber verkündete: "IT-Ausstattung des Bundestages darf nicht ideologisch entschieden werden" (09.11.2001).
Einen strategischen Schachzug besonderer Art steuerte Microsoft Deutschland Chef Kurt Sibold Ende November bei: Er versprach, den Quellcode der Produkte seines Hauses dem Deutschen Bundestag zur Verfügung zu stellen. Leider hielt dieser Vorstoß nicht das was er verspricht, denn das technisch versierte Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnologie (BSI) sollte den Quellcode keinesfalls in die Finger bekommen.
Ende November steigerte sich die Diskussion zu einem öffentlichen Schlagabtausch der im wöchentlichen Takt neue Statements und Argumentationen ins Spiel brachte. Jeweils an Herrn Kelber richteten sich der Offene Brief des Vorstandsmitgliedes des Linux-Verband (LiVe) Daniel Riek und der Brief von Georg Greve, dem Präsidenten der Free Software Foundation Europe (FSF-E). Greve geht in seiner Argumentation sehr intensiv auf die demokratischen Aspekte der Diskussion ein, und liefert damit eine Grundlage für die Initiative Bundestux.
Nun war die Zeit für eine neue Initiative gekommen.
Am 29.01.2002 ging das Projekt www.bundestux.de online.